Die Wurfmaschine

TV Ohligs II / HSV Solingen-Gräfrath: Handball-Blog

OTVII – Spiel gegen Hückeswagen: Willy Brandt, Glasnost und ein Kamel

Um das Gute vorwegzunehmen: Wir haben unser Auswärtsspiel in Hückeswagen 21:25 gewonnen. Das war es dann aber auch mit dem Guten. Interessant, dass überhaupt etwas gut sein kann, wenn alle schlecht waren. Ich könnte das jetzt ja auf die lange Anfahrt nach Hückeswagen schieben, wie man das gerne mal in Solinger Handballkreisen macht. Aber ich finde, da tut man Hückeswagen Unrecht. Immerhin gab es am Wochenende keinen Schnee wie sonst, wenn man dort hin fährt. Das Wetter war auf der ganzen Fahrt sehr reisefreundlich. Trotz des späteren Nachmittags war es sogar noch hell und man konnte die Schönheit des Oberbergischen bewundern. So viel Natur ist man ja kaum noch gewöhnt. Da stellt man schnell fest: Natur, das ist wie zu Hause Fenster aufmachen, nur noch krasser.

OTV II - Mehr HückeswagenNein, man sollte nicht auf Hückeswagen herumhacken. Schon alleine, weil man die politische Bedeutung von Hückeswagen nicht vergessen darf . Es ist ja vielen nicht mehr gegenwärtig, wie Willy Brandt Ende der 60er mit dem Slogan. „Wir wollen mehr Hückeswagen“ in den Wahlkampf zog und Bundeskanzler wurde. Im Zuge dessen gab er mit seiner Ostpolitik dann auch die Richtung vor, durch die der Bergische Handbalkreis erst möglich wurde. Denn durch die Ostpolitik Willy Brandts erfolgte auch die Annährung von Hückeswagen an seine ostbergischen Nachbarstädte Remscheid, Solingen und Wuppertal.

Unvergessen ist  in dieser Hinsicht, wie als Folge der branstschen Ostpolitik US-Präsident Ronald Reagan auf dem Hückeswagener Marktplatz dem russischen Präsidenten Michael Gorbatschow zurief: „Mr. Gorbatschow, tear down this ball“. Also, frei übersetzt: „Mr. Gorbatschow, schmeiß den Ball endlich nach unten“. Erst durch einen Übertragungsfehler der anwesenden Journalisten ist später dann aus „ball“ „wall“ geworden. Denn viele der politischen Journalisten wussten nicht, dass Gorbatschow in seiner Freizeit als Halblinker beim ATV Hückeswagen auflief. Am Wochenende davor hatte er gut und gerne acht Fahrkarten über das Tor geworfen. Die Journalisten hätten aber darauf kommen können, schließlich heißt es ja Arbeiter-Turn-Verein Hückeswagen, die Nähe zur kommunistischen Sowjetunion ist da augenscheinlich.

Dass wir heute alle zusammen in einem wiedervereinigten Bergischen Handballkreis spielen, das hätte man sich damals zu Brandts Zeiten gar nicht vorstellen können. Um das noch einmal festzuhalten: Brandt, Reagan, Gorbatschow, Glasnost, Perestroika, Hückeswagen – das ist untrennbar miteinander verbunden.  Da ist es nur eine Randnotiz der Geschichte, dass der damalige Bundespräsident Walther Scheel, ein gebürtiger Solinger, gar fröhlich „Hoch auf dem gelben Hückeswagen“ schmetterte und noch heute mit Sarah Hückeswagenknecht eine Linke Politikerin im Bundestag sitzt.

Also, als Solinger Handballer sollte man sich nicht über Hückeswagen lustig machen und mit einer gewissen Demut an diesen geschichtsträchtigen Ort fahren. Viele Menschen in Deutschland beneiden uns darum, in Hückeswagen Handball spielen zu dürfen. Deshalb war bei uns dann sicherlich auch eine gehörige Portion Ehrfurcht dabei, als das Spiel losging. Anders lässt es sich kaum erklären, warum es nach mehr als einer Viertelstunde noch 3:3 stand. Hätten die Schiris nicht ab und an einen 7-Meter gepfiffen, wäre das Spiel wohl gar nicht in die Gänge gekommen. So Stand es zur Pause wenigstens 9:10 für uns.

In der zweiten Halbzeit knüpften wir dann nahtlos an unsere Leistung der ersten 30Minuten an. Das Spiel plätscherte so vor sich hin. . Jeder schien darauf zu warten, dass irgendeiner die Sache mal in die Hand nimmt und den Unterschied ausmacht. Zappel und Gerri haben sich dann Mitte der zweiten Hälfte erbarmt und in einem kleinen Zwischenspurt ein paar blitzsaubere Tore aus dem Ärmel geschüttelt.  Jetzt könnte man versucht sein, bei 21 Gegentoren noch von einer bärenstarken Deckung zu sprechen. Zumal der ATV acht 7-Meter brauchte, um zu Toren zu kommen. Aber noch nicht mal die Deckung war wirklich gut. Insgesamt sollten wir das Spiel unter dem Motto „Man kann ein Kamel schon durch einen Nadelöhr bekommen. Man muss es vorher nur gut pürieren“ schnell abhacken.

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